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Kartentelefon

Matthieu Delaporte & Alexandre de la Patellière
3 | ALLES WAS SIE WOLLEN
Komödie. Deutsch von Georg Holzer.
Premiere | Donnerstag, 10. Oktober 2019 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 1 ½ Std. | Keine Pause

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Fotos © Klaus Lefebvre

 

Eine übergelaufene Wanne bringt die beiden Nachbarn Lucie und Thomas zusammen. Ihr Badewasser tropft von seiner Decke. Fix die Wohnung trocknen und die Kosten klären, alles könnte so schnell geklärt sein – und das wäre Lucie auch ganz recht. Sie schreibt gerade ein neues Theaterstück oder zumindest ist das der Plan, denn eine Schreibblockade treibt sie in den Wahnsinn. Aus einem Gespräch der Dramatikerin mit dem alleinerziehenden Vater werden zwei, aus zwei Gesprächen wird ein Essen und bei dem Essen wächst ein Plan, um ihre Blockade zu lösen. Aus der nachbarschaftlichen Beziehung wird ein vertrautes Verhältnis, bis Thomas mitbekommt, worüber Lucie schreibt . . .

Eine romantische Komödie, über die Grenzen von Privatsphäre in den Erzählungen anderer und die manchmal schwere Leichtigkeit der Liebe.

Die Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière sind dem WBT durch ihr erstes Theaterstück DER VORNAME bestens bekannt. Damit landeten sie nicht nur in Frankreich und Deutschland einen Überraschungserfolg, sondern auch weltweit. Im WBT stand es seit der Spielzeit 2013/14 im Programm, wurde 63 Mal vor (fast) immer ausverkauftem Haus gespielt. Ihr neuestes Stück ALLES WAS SIE WOLLEN wurde 2016 in Paris uraufgeführt, die deutschsprachige Erstaufführung am Deutschen Theater Göttingen war im Oktober 2018. An der Seite von Ivana Langmajer gibt Markus Hennes seinen Einstand als neues WBT-Ensemblemitglied.

Inszenierung | Kathrin Sievers
Bühne & Kostüme 
| Stephanie Kniesbeck

Mit | Markus Hennes | Ivana Langmajer

PRESSESTIMMEN

Komödie ALLES WAS SIE WOLLEN feiert umjubelte Premiere im Borchert-Theater
Eine Dramatikerin in der Schreib- und Lebenskrise, ein netter Nachbar, der die Dame kulinarisch und mental aufmuntern möchte: Das sind auf den ersten Blick passende Zutaten für eine boulevardeske Mixtur aus Depression, Tröstung und Liebschaft. Doch das Borchert-Theater in Münster macht in der Regie von Kathrin Sievers aus der furiosen und im Wortsinn mehrschichtigen Story aus der Feder des französischen Autorenduos Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière kein übliches Boulevard-Stück, sondern eine tiefsinnige Komödie – in der auch dramatische Wendungen durchschimmern. Viel Applaus gab es folglich für das darstellende Duo Ivana Langmajer und Markus Hennes, der in diese Stück seinen gelungenen Einstand am WBT feierte.

Stephanie Kniesbeck (Bühne/Kostüme) hat für das Szenario ein funktionales Appartement im feinen Zentrum von Paris ausgestattet, in dem rechts der Schreibtisch der ausgebrannten Autorin Lucie Arnaud und links ein graues Sofa steht. Die linke Wand er Bühne dient als Projektionsfläche, auf der die Zuschauer zunächst wie durch ein Fenster auf Pariser Boulevards herunterschauen und später Lichtprojektionen ihren Platz haben.

Der Computerbildschirm über dem Schreibtisch zeigt an, dass bei Lucie schreibtechnisch nicht viel passiert: Buchstaben, ein paar Wortfetzen, hier herrscht Flaute, was Lucie Arnaud, die Ivana Langmajer facettenreich zwischen Apathie und Aufbegehren spielt, unruhig wie treibende Herbstblätter hin und her wandern lässt. Nachbar Thomas, dem Markus Hennes feine Nuancen vom zunächst nüchternen Steuerberater bis hin zum später einfühlsamen Ideengeber für die ausgebrannte Autorin verleiht, muntert die Mitbewohnerin – typisch französisch – mit kulinarischen Genüssen statt kalter Pizza auf und dringt immer weiter in deren Gefühls-, Beziehungs- und Textwelt ein. Sie steht unter Publikationsdruck und kann halt nur das schreiben, was sie erlebt.

So entsteht für das Publikum ein unterhaltsamer und nachdenklich stimmender Kosmos aus selbst provozierter Realität und dramatische Verarbeitung. Thomas entwickelt Ideen über eine gespielte Beziehungskrise der Autorin zu ihrem Ehemann, diese heuchelt ihrem Gatten eine Affäre vor – und das wiederum wird zum Inhalt des neues Stücks. Wir sehen also das Stück im Stück, das Theater auf dem Theater und das macht Freude und wirkt frisch. Zumal die Regisseurin die fiktiven Szenen, die ucie und Thomas durchexerzieren, in grell-grünes Licht taucht, dabei die linke Lichtwand bunt bespielt und die beiden Protagonisten wie Marionetten über die Bühne wackeln lässt. So vermischen sich Bühne und Realität. Dennoch bleibt der Zuschauer wunderbar im Bilde. Mit Stück und Inszenierung hat das Borchert-Theater einen Glücksgriff getan.
Westfälische Nachrichten, 11.10.2019

Eine Aufführung zum Staunen und Genießen. Je länger die Premiere der kurzweiligen französischen Komödie ALLES WAS SIE WOLLEN währte, desto intensiver packte sie das Publikum am Donnerstagabend im Wolfgang-Borchert-Theater.  Regisseurin Kathrin Sievers hat die deutsche Version des kunstvollen Stücks mit stilsicherem Gespür inszeniert.

Eine übergelaufene Badewanne stiftet eine Bekanntschaft. Die Dramatikerin Lucie (Ivana Langmajer) muss ihrem Nachbarn Thomas (Markus Hennes), in dessen Wohnung Wasser tropft, Auskunft geben. Lucie, die Tochter aus reichem Haus mit verkorkster Kindheit, will die Angelegenheit rasch erledigen, doch Thomas, ein verwitweter Steuerberater mit zwei Söhnen, bleibt hartnäckig. Sie offenbart ihr luxuriöses Elend, eine Schreibblockade, und er will ihr helfen – mit Erfolg. Denn Lucie wird allmählich vom Schaffensdrang ergriffen.

Ivana Langmajer und Markus Hennes, der neue Mann im Ensemble, erschaffen ein kultiviertes Paar, dessen Freundschaft Zug um Zug wächst. Nach erstem Abtasten mit präziser Schlagfertigkeit entsteht ein kreatives Vertrauensverhältnis, das dann auf eine Bewährungsprobe gestellt wird, als Lucies dramatische Erfindungslust auf die reale Existenz beider verheerend durchschlägt. Erst im charmanten Finale werden Dichtung und Wahrheit vereint: Grundstürzendes ist passiert, aber Lucie und Thomas siezen einander weiterhin.

Mehr darf nicht verraten werden, denn im Gegensatz zu manchen Boulevard-Komödien, die den Zuschauern nur Lacher um Lacher entlocken möchten, gewinnt ALLES WAS SIE WOLLEN durch eine seltene Qualität. Das sorgfältig erdachte Lustspiel erzeugt wie ein Krimi auch einen Thrill. Begierig will man auch begreifen, wie Kunstproduktion und Lebenswirklichkeit einander wechselseitig bedingen und befeuern – eine ziemlich vertrackte Sache.

Dabei sind die souveräne Inszenierung und ihre bezwingend spielfreudigen Akteure wahrlich von guten Mächten wunderbar geborgen: Die Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière haben mit dieser zwischen Traum und Tristesse witzig schwebenden Kunst-Komödie bewiesen, dass sie in bester französischer Theater- und Filmtradition stehen und legendären Altmeistern wie Claude Sautet und Alain Resnais ebenbürtig sind.
Die Glocke, 12.10.2019

Starkes Schauspiel
Die federleichte Komödie wird von den beiden Schauspielern Ivana Langmajer und dem neuen Ensemblemitglied Markus Hennes glänzend und immer auf Augenhöhe dargeboten. Beide agieren mit ungeheurem Charme, temporeich und sehr leichtfüßig, das Timing stimmt perfekt. Langmajer beherrscht als Lucie alle Facetten von kratzbürstig-arrogant bis emotional und kokett, Hennes als Thomas brilliert mal als warmherzig-witziger Kumpeltyp, mal als einfallsreicher Mutmacher, mal als verletzlicher Liebender.
Dem entspricht auch der Stil der Inszenierung mit Einfallsreichtum und Eleganz. Der Witz wird nie grob, setzt immer auf Intelligenz, ist eher verhalten denn laut. Besonders gelungen auch die Szenen, in denen die Protagonisten das „Stück“ entwickeln: Im „Stück im Stück agieren Langmajer und Hennes wie Marionetten. Muss man gesehen haben!

Hollywood lässt grüßen
Der Abend bietet leichte Unterhaltung im allerbesten Sinne mit einem feinen Bisschen mehr. Rührende Momente, die jedoch nie ins Sentimentale abgleiten wechseln sich ab mit witzigen Screwball-Szenen und teilweise sogar bösartigen Attacken. Die Schluss-Szene könnte so direkt aus einem Blockbuster aus der Traumfabrik stammen. Köstliche Unterhaltung mit nachhaltigem Spaß.
deinmünster, 11.10.2019