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Kartentelefon
Colin Higgins
5 | HAROLD UND MAUDE
Schwarze Komödie. Deutsch von Udo Birckholz.
Premiere | Donnerstag, 8. März 2018
Vorstellungsdauer | 2 Std. | 1 Pause

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Fotos © Klaus Lefebvre

Morbides in allen Spielarten fasziniert Harold, der mit Hilfe selbstgebauter Apparate seinen Tod fingiert. Er ist ein Einzelgänger und geht in seiner Freizeit gerne auf Beerdigungen. Seine Mutter zeigt schon längst keine Gefühle mehr, wenn ihr Sohn mal wieder tot vom Kronleuchter baumelt. Ihrer Meinung nach verwächst sich das, wenn er erst mal verheiratet ist, darum sucht sie eine Frau für ihn. Bei einer Beerdigung begegnet Harold Maude, eine Frau, die das Leben in vollen Zügen genießt. Gegensätze ziehen sich an und Maude führt Harold immer weiter aus der selbstgewählten Isolation. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht, wäre da nicht der Altersunterschied von 60 Jahren . . .

Eine kuriose Geschichte über die Liebe, die Suche nach dem Glück und der eigenen Freiheit.

HAROLD UND MAUDE ist eine schwarze Komödie des Filmregisseurs Hal Ashby, zu der der Student Colin Higgins das Drehbuch zu HAROLD UND MAUDE als Abschlussarbeit an der Universität schrieb. Fast zeitgleich zur Verfilmung erschien auch Higgins Roman, der die Charaktere noch detaillierter zeichnete. Higgins und Ashby waren ihrer Zeit voraus, denn der Film fiel zunächst sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern durch. Die Liebesgeschichte des todessehnsüchtigen jungen Harold und der aufsässigen alten Dame Maude ging ihnen zu weit. Heute gilt sie als Kult-Liebes-Komödie – und das, obwohl Tabuthemen wie „Tod“ und – vor allem – „großer Altersunterschied“ nicht überwunden scheinen.

Inszenierung | Kathrin Sievers
Bühne & Kostüme | Annette Wolf

Mit Florian Bender | Heiko Grosche | Monika Hess-Zanger | Johannes Langer

Pressestimmen:
Mühsam schleppt Maude einen Baum an. Sie will ihn auf dem Friedhog pflanzen, auf dem sie sich so gerne aufhält. „Eben stand er noch am Hansaring“, sagt die 79-jährige, die von Monika Hess-Zanger gespielt wird, und das Publikum lacht. So hat es die Diskussion um die beiden vor kurzem gefällten Platanen in Münster sogar bis ins Wolfgang-Borchert-Theater geschafft.

Überhaupt wird viel gelacht in „Harold und Maude“, der kultigen Schwarzen Komödie, die am Donnerstagabend Premiere hatte. Zwei Einzelgänger mit einem Altersunterschied von 60 Jahren treffen aufeinander und fühlen sich voneinander angezogen: die verrückte, spleenige und menschenfreundliche Maude und der junge Harold. Von seiner egozentrischen Mutter tyrannisiert, tyrannisiert der einfach zurück. Und so beginnt das Stück in Münster mit einem Strick, der von der Bühne und an dem Harold baumelt.

Johannes Langer spielt den vom Tod faszinierten Harold mit herrlich ausdruckslosem Gesicht. Ob er sich vor seiner Mutter nach einem fingierten Stromschlag wälzt, mal eben seine vermeintlich abgehackte Hand auf der Couchlehne postiert oder es sich (in einem Video) in einen schwarzen Sarg gemütlich macht – völlig unbeeindruckt präsentiert der Schauspieler die makabren Späße.

Wenn auch kein zum Sarg umgewandelter Cadillac auf die Bühne fährt und auch die im Film verwendete Musik von Cat Stevens nicht zu hören ist – die Borchert-Fassung der skurrilen Geschichte hat ihren eigenen Charme. Zumal Regisseurin Kathrin Sievers zwei Frauenrollen mit Männern besetzt. Heiko Grosche übernimmt den Part der Frauen, die Harolds Mutter für ihren Sohn an Land zu ziehen versucht. Nicht nur Grosches Beine können sich sehen lassen, auch das herzzerreißende, liebliche Lächeln, das er den Heiratskandidatinnen ins Gesicht zaubert. Der Schauspieler versucht wirklich, seine Unsicherheit auf den Stöckelschuhen zu verbergen, aber das gelingt ihm nicht ganz. Das ist nicht albern, das ist witzig.

Ebenso Florian Bender. Mit den vielen Pumps, die er im Stück als mondäne Kaliformierin zu trgaen hat, bewegt er sich sicher, seine angewiderte und entsetze Mimik zu dem was der Sohnemann für die Mutter parat hält, ist klasse.

Monika Hess-Zangerhat kein Problem, das verrückte Huhn Maude darzustellen. Die Liebesgeschichte zwischen ihr uns Harold bleibt aber ganz zart und wird nur angedeutet. Hier ein Tanz, da ein Kuss.
Die Glocke, 10.3.18

Man mag sich fragen, wer dieser junge Mann Harold wohl heute wäre: Ein Nerd im Kellerloch, der Ballerspiele spielt? Ein teigiges Muttersöhnchen im Block eines Ultra-Fanclubs? Der Harold in dem Filmklassiker „Harold and Maude“ (Drehbuch: Colin Higgins ) aus dem Jahre 1971 war eher ein bemitleidenswerter Spätpubertierender, der die Aufmerksamkeit seiner ebenso hysterischen wie narzisstischen Mutter zu wecken sucht. So kommt dieser Harold auch in der aktuellen Theaterfassung und in der Bühneninszenierung von Kathrin Sievers im Wolfgang-Borchert-Theater in Münster über die Bühne. Das Publikum nimmt diesem blassen, apathischen jungen Mann, den Johannes Langer rollengerecht verkörpert, ab, dass er unter Leidensdruck steht. [...]

Aber der [...] tiefgängigere und stillere Teil des Abends beginnt nach der Pause. Denn Maude (wie immer höchst präsent: Monika Hess-Zanger), die betagte Dame mit der wunderbar optimistischen Lebenseinstellung, liefert in dieser zunächst schwarzhumorigen, dann aber mehr und mehr tragikomischen Thematik die intensivsten Szenen. Wenn sie Harold, den sie passenderweise auf dem Friedhof (wo sie einen Baum vom „Hansaring“ pflanzen wollte!) kennengelernt hat, die schönen Seite des Lebens zeigt, ihren mit allerlei lustigen Gimmicks (Dufterzeuger, Futterschleuder für Singvögel) ausgestatten Baum (Bühne und Kostüme: Annette Wolf) ausprobiert und mit ihrem jungen Freund die Atmosphäre des Waldes erspürt, dann entstehen intime Momente. Augenblicke der Nähe, der Liebe. Das 1971 virulente Tabu-Thema Altersunterschied fällt da heute eigentlich kaum noch ins Gewicht.
Westfälische Nachrichten, 10.3.18