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Kartentelefon

Kaspar Häuser Meer

Felicia Zeller
14 | KASPAR HÄUSER MEER
Sozial-Groteske.
Wiederaufnahme | Mittwoch, 2. September 2015 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 1 1/2 Stunden | Keine Pause

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Dennis, Jessica oder Chantal, das sind die Kaspar Hauser von heute - hoffnungslose Fälle von verwahrlosten, verhungernden, mißhandelten Kindern, deren Schicksal der Öffentlichkeit solange egal ist, bis eines stirbt. Die Jugendamt-Sozialarbeiterinnen Anika, Barbara und Sylvia jagen der Zeit nach. Spielen soziale Feuerwehr und sind selbst rettungslos überlastet und emotional überfordert, während ihr eigenes Leben an ihnen vorbeiläuft und die ständige Presseschelte den Jugendämtern Versagen vorwirft. Nun herrscht auch noch akuter Björn-Out: Kollege Björn wirft ausgebrannt das Handtuch und hinterläßt 104 weitere, meist lückenhaft recherchierte Fälle. Der Wettlauf gegen die Zeit ist aussichtslos. Die ständige Überforderung, die Furcht vor Fehlentscheidungen und eigene Versagensängste lassen die drei immer mehr in Bewegungslosigkeit erstarren. Und Björn schickt liebe Grüße per SMS.

Ein panisch-komischer Verzweiflungschor mit bitterbösem, treffendem Witz - über ein schockierendes Stück Alltag heute.

Felicia Zeller studierte an der Filmakademie Baden Württemberg. Sie arbeitet seither als Theaterautorin und Regisseurin besonders im Bereich der neuen Medien. KASPAR HÄUSER MEER entstand im Auftrag des Freiburger Theaters. Ihr Ziel war von Anfang an, nicht die Opfer, sondern die Helfer ins Zentrum zu stellen. Dafür sammelte sie ihr Material vor Ort im Büroalltag deutscher Jugendämter und verdichtete es zu einer grotesken Sprachkaskade. Dafür erhielt die Autorin 2008 den Publikumspreis der 33. Mühlheimer Theatertage.

Inszenierung | Kathrin Sievers
Bühne & Kostüme | Annette Wolf

Mitwirkende | Monika Hess-Zanger
[Barbara] | Sabrina vor der Sielhorst [Silvia] | Alice Zikeli [Anika]

PRESSESTIMMEN

Auf Annette Wolfs Bühne liegen Unmengen von Aktenstapeln herum, fällt zentnerweise Antragspapier durch die Rohrpost hinein ins Büro – das alles ist viel zu viel für die „Drei vom Sozialamt“. Eine anfänglich vorhandene Ordnung wird immer weiter destruiert. Chaos kommt auf, Überforderung allenthalben, Panik letztendlich. Sievers lässt ihre Akteurinnen mal roboterhaft über die Bühne staksen, mal mit resigniertem Blick vor sich hin starrend auf dem Boden kauern.

Und die Drei machen das ganz großartig. Wie sie virtuos und in mitunter rasend schnellem Tempo mit Zellers Text umgehen ist die Wucht. Alle beherrschen und variieren das Unisonosprechen, können perfekt individuelle Textpassagen mit denen der Anderen verschmelzen. […]

Ein starker Abend dank starker Darstellerinnen und eines toll-überspannten Regiekonzepts!
Theater Pur, 2.5.2015

Björn hat die Fahne gestrichen, hat sozusagen ein „Björn-Out“. Auch seine drei Kolleginnen im Jugendamt stehen kurz vor dem Kollaps. Aber vorher lassen die drei Frauen den Zuschauer noch an ihrem herrlich-grotesken Büroalltag teilhaben. Riesenapplaus gab es für die Premiere von „Kaspar Häuser Meer“ im Wolfgang-Borchert-Theater in Münster. […]

Das Stück von Felicia Zeller nimmt nicht die Opfer, sondern die Helfer, ihre Überforderung, ihre Angst, bei der Betreuung der Familie nichts auszurichten zu können, auch ihre Angst vor Medienschelte in den Fokus. Urkomisch, einfallsreich und teils auch auf bedrückende Art bringt Kathrin Sievers das Dilemma auf die Borchert-Bühne.
Die Glocke, 4.5.2015

Der Zuschauer braucht kein langes Einlesen in den Stoff des Stücks. Die drei Protagonistinnen auf der Bühne benötigen nur wenige Sätze, und die Ausgangslage steht glasklar vor Augen. Es geht um drei Damen vom Jugendamt, die den kranken Björn vertreten müssen – und Björn klingt nicht von ungefähr nach „Burn out". [...]

Als am meisten Gefährdete tritt dem Publikum in Kathrin Sievers´ temporeicher Inszenierung die grelle Silvia entgegen. Sabrina vor der Sielhorst gibt sie als hysterische Tippse. [...] Ihr Gegenstück gibt Monika Hess-Zanger als Barbara, eine berufserfahrene und etwas zynisch gewordene Sozialamts-Tante. Die Neue, Anika (Alice Zikeli), hat frisch die Fachhochschule und ist mit ihrem Übereifer auf dem besten Wege, ebenfalls ihre Nerven zu ruinieren.

Felicia Zellers Textvorlage wirkt nicht nur ungewöhnlich gut recherchiert, sondern taugt auch als anspruchsvolles Sprachkunstwerk. Stummelsätze der Damen vom Amt künden von der Hektik des Alltags, die Mischung aus Amtsdeutsch und Prekariats-Sprech prasseln förmlich auf das Publikum nieder. [...]

Tosender Applaus für ein tolles Stück und herausragendes Spiel.
Westfälische Nachrichten, 2.5.2015

„[...] Die Autorin des Stücks, Felicia Zeller, beschreibt ihren Text selbst als Sozial-Groteske. Dieses Stilmittel erzielt auch in der Inszenierung des Wolfgang Borchert Theaters einen wunderbaren Effekt. Die Paarung aus Komik und Dramatik macht das Thema zugänglich und überlässt es dem Zuschauer zugleich selbst inwieweit er sich auf die schwere der Problematik einlässt. Auf authentische Art und Weise hauchen die drei Schauspielerinnen den Figuren Charakter ein. In einer auf Effizienz, Kontrolle und Überwachung ausgerichteten Gesellschaft trifft die Thematik den Puls der Zeit. [...]

Dem Stück „Kaspar-Häuser-Meer" gelingt die schwierige Schere zwischen Witz und purem Ernst auf ein liebevolle und dramatische Art und Weise und das fand auch beim Publikum großen Anklang. [...]
Radio Q, 4.5.1015